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Wiesn undercover: Wie München Streamern die Maß madig macht

Auf dem Oktoberfest tobt ein leises Katz-und-Maus-Spiel: Die Stadt geht gezielt gegen Livestreamer vor, die die Wiesn in Echtzeit ins Netz übertragen.

Redaktions-KIAutomatische Redaktion
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Aktualisiert · ⏱ 3 Min Lesezeit
Verspielte Riso-Illustration zum Thema „Wiesn undercover: Wie München Streamern die Maß madig macht“.

Bierzelt, Blasmusik, Blick in die Handykamera: Das Oktoberfest ist längst nicht mehr nur ein Fest für die, die vor Ort sind. Wer heute eine Maß stemmt, tut das oft vor Publikum – live, im Netz, für alle. München scheint davon zunehmend genervt zu sein. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung macht die Stadt inzwischen gezielt Jagd auf Streamerinnen und Streamer, die die Wiesn in Echtzeit übertragen.

Das klingt erstmal nach einer skurrilen Fußnote im Festkalender, ist aber eigentlich ziemlich spannend: Hier prallen zwei Welten aufeinander, die sich sonst höchstens am Rande begegnen. Auf der einen Seite eine jahrhundertealte Tradition, die von Ritualen, Zelten und einem sehr analogen Miteinander lebt. Auf der anderen Seite eine Generation von Content-Creatorn, für die ein Ereignis erst dann wirklich stattfindet, wenn es gestreamt, geclippt und geteilt wurde.

Warum überhaupt Jagd machen?

Genau das ist die Frage, die sich viele stellen dürften, wenn sie von der Aktion hören. Die Süddeutsche berichtet von einem regelrechten Katz-und-Maus-Spiel zwischen Stadt und Streamern – ein Bild, das schon für sich genommen viel über die Dynamik verrät. Es geht offenbar nicht um ein einzelnes Verbot, das man einfach durchsetzt, sondern um eine Art fortlaufende Auseinandersetzung: Die einen versuchen zu senden, die anderen versuchen, das Senden zu unterbinden oder zumindest einzuhegen.

Was genau die Stadt an den Streams stört, lässt sich aus der bisherigen Berichterstattung nicht abschließend sagen. Denkbar sind ganz unterschiedliche Beweggründe – von Fragen des Persönlichkeitsschutzes für unbeteiligte Feiernde, die ungefragt ins Bild geraten, über Sicherheitsaspekte bei großen Menschenmengen bis hin zu einem grundsätzlichen Unbehagen gegenüber der Kommerzialisierung des Volksfests durch Reichweite und Klicks. Vielleicht ist es auch von allem ein bisschen.

Ein Fest zwischen Tracht und Timeline

Interessant ist der Fall vor allem deshalb, weil er zeigt, wie sehr sich das Verhältnis zwischen öffentlichem Raum und öffentlicher Übertragung verschoben hat. Früher war die Wiesn ein Ort, an dem passierte, was passierte – und blieb, meist, dort. Heute ist jedes Bierzelt potenziell ein Studio, jede Maß eine Requisite, jeder Moment ein Clip, der Minuten später irgendwo auf der Welt abgespielt wird.

Wo hört das eigene Erleben auf und wo fängt die Bühne für andere an? Auf der Wiesn scheint diese Grenze gerade neu verhandelt zu werden.

Für Streamerinnen und Streamer ist das Oktoberfest ein dankbares Motiv: viele Menschen, viel Stimmung, viel Trachten-Ästhetik, viel Unberechenbarkeit – kurz, alles, was gute Live-Inhalte ausmacht. Für die Stadt und die Festleitung wiederum ist genau diese Unberechenbarkeit womöglich das Problem. Ein Fest, das traditionell von einem gewissen Kontrollanspruch der Veranstalter lebt – Einlass, Ordnung, Sicherheit –, trifft auf ein Format, das per Definition unkontrolliert und in Echtzeit nach außen dringt.

Ein Spiel mit offenem Ausgang

Ob sich das Ganze zu einer festen Regel, einer Grauzone oder einem jährlich wiederkehrenden Ritual des Aufeinandertreffens entwickelt, ist offen. Klar ist nur: Solange Streaming-Technik in jeder Hosentasche steckt und die Wiesn eines der meistfotografierten und -gefilmten Ereignisse Deutschlands bleibt, dürfte das Thema so schnell nicht verschwinden. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein bayerisches Traditionsfest lernen muss, mit einer neuen Öffentlichkeit umzugehen – nur eben diesmal in Echtzeit, mit Chat-Fenster und Like-Button.

Am Ende bleibt die Wiesn wohl das, was sie schon immer war: ein Ort, an dem Tradition und Zeitgeist aufeinanderprallen, mal mit Blasmusik, mal mit Handyblitz – und in diesem Jahr offenbar auch mit einem ganz eigenen kleinen Verfolgungsdrama zwischen Streamern und Stadt.

Häufige Fragen

Was ist an der Berichterstattung konkret neu?
Laut der Süddeutschen Zeitung geht die Stadt München gezielt gegen Personen vor, die das Oktoberfest live streamen – ein bislang so nicht bekanntes, aktives Vorgehen gegen diese Form der Übertragung.
Warum stört Live-Streaming auf dem Oktoberfest überhaupt?
Die genauen Gründe sind aus den bisherigen Berichten nicht abschließend ersichtlich. Diskutiert werden könnten unter anderem Persönlichkeitsrechte unbeteiligter Gäste, Sicherheitsfragen bei großen Menschenmengen oder ein grundsätzliches Unbehagen gegenüber kommerziellen Streaming-Formaten auf dem Fest.
Ist Filmen auf der Wiesn generell verboten?
Nein, Fotos und Videos für den privaten Gebrauch gehören zum Alltag auf dem Oktoberfest. Im Fokus der beschriebenen Maßnahmen stehen offenbar gezielt professionelle oder dauerhafte Live-Übertragungen, nicht das gelegentliche Handyfoto.
Wie geht es mit dem Thema weiter?
Das ist derzeit offen. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Livestreaming-Plattformen ist aber denkbar, dass das Spannungsfeld zwischen Festveranstaltern und Content-Creatorn auch in Zukunft ein Thema bleibt.

Quellen

Dieser Artikel beruht auf den folgenden Meldungen. Die Einordnung stammt von der Redaktion.

  1. Oktoberfest: Wie die Stadt Jagd auf Wiesn-Streamer machtSZ ·
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„Wo hört das eigene Erleben auf und wo fängt die Bühne für andere an? Auf der Wiesn scheint diese Grenze gerade neu verhandelt zu werden."
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